BENEFIZKONZERTE ZUGUNSTEN SÜDAMERIKANISCHER TOTOBIEGOSODE- INDIANER IM PARAGUAYISCHEN SUBTROPENWALD (CHACO)

 

Unsere Initiative möchte ergänzend zum "Weltgebetstag der Frauen 2007", in selbständiger Initiative aktiv auch zur Verbesserung  der Lebensumstände jener Mädchen und jungen Frauen in Paraguay beitragen, die einer ethnischen Randgruppe angehören!

Helfen Sie durch Benefizkonzerte und Ihre Spende Menschen, und zugleich ein größeres Naturschutzgebiet zu erhalten!

 
   

Wie es zu dieser Idee kam:

Als mir vor zwei Jahren die schweizer Ethnologin Verena Regehr zwei Bände mit Rekonstruktionen verschollen gewesener Kompositionen des Jesuitenmönches und Komponisten Domenico Zipoli (1688-1726) mit den Worten: „Nimm du die Noten, du bist Musiker, was soll ich hier im Chaco damit anfangen...“ in die Hand drückte, hatte ich noch nicht die geringste Ahnung davon, dass ich heute die Gründung eines neuen Orchesters damit verbinden würde.

Ursprünglich war unser damaliger Gedanke, in Paraguay zu bleiben, Guarani- Siedlungen aufzusuchen (des Volkes meiner Frau) und dort Stimmen zu Chören zusammenzuschließen, mit welchen wir in Europa Touren wollten, um Spenden zu sammeln.

Unsere "Vision" war es damals, Schulungspersonal und Lernmittel durch gesammelte Gelder zu finanzieren, wodurch indigenen Kindern und Jugendlichen eine solide und moderne Schul- und Berufsausbildung ermöglicht werden sollte. Im Zuge dessen wollten wir in dieser ursprünglichen Idee für künftige Generationen zu einer Annäherung zwischen den seit etwa 1930 im Chaco angesiedelten Mennoniten und den Indigenen Ureinwohnern beitragen...

Die Begünstigten:

Bei unseren diesjährigen Benefizkonzerten soll nun Geld gesammelt werden, um den Lebensraum eines indigenen Volkes zu sichern:

Es sind die Totobiegosode, die eine Untergruppe des Ayoreovolkes bilden. 

In den 80er Jahren war Ihre Sozialstruktur durch freikirchliche Aktivitäten aus Nordamerika massiv gefährdet worden.

Als die Laienprediger ihren Dienst beendet glaubten, und eine indifferente Glaubensdoktrin hinterließen, waren vor allem Jugendliche durch Alkoholismus und Anarchie bedroht. Um ihre Sozialstruktur wieder aufzubauen, entschlossen sich ihre führenden Ältesten, sich in ihren ehemaligen Lebensraum, den größtenteils noch unberührten nördlichen Teil des paraguayischen Chaco, zurück zu ziehen.

Obwohl es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, welches eine Vielzahl an schutzbedürftigen Pflanzen und Tieren beherbergt, führen hier Großgrundbesitzer, Spekulanten und Viehzüchter großflächige Rodungen durch, wildern und bedrohen selbst das Volk der Totobiegosode.

Die Schweizer Organisation

"Verein zur Landforderung indigener Gemeinschaften", unter Vorsitz von Dr. Rolf Scheibler und ihre deutsche Zweigstelle in Weil am Rhein, haben es sich zusammen mit der paraguayischen Nichtregierungsorganisation "GAT" (Gente, Ambiente y Territorio) zur Aufgabe gemacht, durch den Landkauf vom Staat Paraguay einen Eigentümerschutz herzustellen, da viele Einwanderer auch heute noch Indigene als minderwertig betrachten.

Die Spendeneinnahmen aus den Konzerten können entweder unter folgender Bankverbindung an diesen Verein weitergeleitet werden, oder fließen aus einem Teil unserer Benefizkonzert- Einnahmen derselben Organisation zu:

"Verein zur Unterstützung indianischer Landforderung im paraguayischen Chaco e.V." (deutsche Sektion c/o Dr. Christian Landes, Präsident, Zwischen den Wegen 6, 709591 Eimeldingen.

Bankverbindung: Sparkasse Markgräferland Weil/ Rhein

BLZ 68351865  Kto.:7-501968

Das Assemblea Guaranì

...ist eine Vereinigung von Individualisten und Idealisten.

Es besteht nicht nur aus ausübenden, musikalisch hochqualifizierten Künstlern, sondern ist auch eine Interessengemeinschaft, die sich durch gemeinsames Organisieren und Strukturieren für Bedürftige, durch Benefizkonzerte, einsetzt.

Denn:

Die Musik, als Schlüssel zum Herzen, eignet sich hervorragend dazu, Menschen, um deren Lebensqualität es besser bestellt ist, für Notleidende im richtigen Augenblick zu sensibilisieren.

Eine indigene Sopranistin im Ensemble:

Die Initiative, den "Verein zur Landforderung indigener Stämme im Chaco Paraguay" aktiv zu unterstützen, regte hauptsächlich unsere Sopranistin Yvoty an. Yvoty war als kleines Mädchen des Volkes der Guarani von ihrer Mutter in einem mennonitischen Sanatorium abgegeben worden. Bald darauf starb die Mutter an Tuberkulose.

Das kleine Kind konnte glücklicherweise von deutschsprachigen, mennonitischen Siedlern aufgenommen und großgezogen werden.

Als Yvoty unter anderem in Deutschland heranwuchs, entdeckte sie ihre Liebe zur Musik. Zunächst war Klavier ihr Hauptinstrument, doch bald erkannte man ihre außergewöhnliche Stimme. Zum Repertoire der Sopranistin gehört hauptsächlich das schwere Wagner- Fach. Aber auch der Interpretation von Barock- und Klassik- Komponisten widmet sie sich gerne.

Nach der Herkunft ihres Volkes, der Vorfahren der heutigen Paraguayer, nämlich der "Guarani- Indianer" und nach der in Paraguay sprichwörtlich gewordenen Musikalität ihres "Stammes", unter welchem auch der Jesuit und Komponist Domenico Zipoli wirkte, den "Guarani- Indianern", benennt sich das Stuttgarter Ensemble heute "Assemblea Guaranì".

Domenico Zipoli

Mönch des Jesuiten- Ordens und Komponist geistlicher Vokal und Instrumentalmusik, wurde 1688 geboren und starb in Cordoba, Argentinien, um 1726.

Vor seinem Eintritt in den Jesuiten- Orden war er Organist an der "Chiesa del Gesù", in Rom.

Während seines Wirkens als Jesuit bereiste er Südamerika, wo er schließlich in sogenannten "Reduktionen", (Reservaten für die indigene Bevölkerung, zum Schutz vor Menschenjägern der spanischen und portugiesischen Invasoren) als Pädagoge und Komponist tätig war.

Einige seiner Kompositionen aus jener Zeit wurden teilweise erst 1972, während der Restaurationsarbeiten an der Ruine der "Reducciones de Chiquitos", im bolivianischen Urwald wiederentdeckt.

Anders als die Orgelwerke, welch aus Zipoli's Europäischer Schaffenszeit in Fachkreisen auch heute noch bekannt sind, blieben seine Vokalwerke aus seiner südamerikanischen Schaffenszeit, trotz ihrer Entdeckung durch den Architekten Hans Roth, und ihre Veröffentlichung durch den Jesuiten- Orden zu Nürnberg, weitgehend unbekannt.

In der 2- Bändigen Ausgabe jener Veröffentlichungen befinden sich diverse liturgische Gesänge: Das "Beatus Vir", "Ave Maris Stella", Laudate Dominum, "Tantum Ergo", "Ad Mariam", "Confitebor" und eine "Missa San Ignacio", welche den 2. Band komplett beansprucht.* 

*Werkausgabe in zwei Bänden durch die "Edition des Missions- Prokur der jesuitischen Gemeinschaft, Nürnberg"

Das Werk

"Beatus Vir", das in meiner Bearbeitung am 2. Advent, den 5.12.2004 im „Evangelischen Michaelshaus, Stuttgart- Freiberg“ uraufgeführt wurde, war über mehrere Jahrhunderte verschollen gewesen und soll erst Anfang der 70er Jahre in einer Truhe neben einem „Plumpsklo“ im südamerikanischen Busch, zusammen mit anderen Überresten von Werken geistlicher Komponisten aus der Epoche jesuitischer "Reduktions- Siedlungen" für Guaranì- Völker gefunden worden sein.

Was rekonstruiert werden konnte, wurde zusammengestellt. Ob allerdings wirklich alle Teile des „Beatus Vir“ ursprünglich zu Zipolis Werk gehörten, ist ungewiss! Zu viele Schreibgehilfen, Nach- und Umschreibungen sorgten in früheren Zeiten dafür, dass heute wenig Hinweise auf die ursprünglichen Autoren der verschiedenen Teile geblieben sind. 

Zumindest jedoch ist das Werk immerhin liturgisch komplett und kann als stilistisch weitgehend einheitlich erkannt werden.

Da die Kunst des Improvisierens in der modernen Musizierpraxis für Melodieinstrumente (auch innerhalb der Kirchenmusik) weitgehend an Bedeutung verloren hat, hielt ich es für angemessen eine ergänzende Bratschenstimme einzufügen, vor allem aber die Continuo- Simme für Cello und Kontrabass auszugestalten und der Partitur zu unterlegen.

Auch der Sopran- Solopart ist bis auf die üblichen Sequenzen, einige Durchgangsnoten, gängige Vorhalte und obligatorische Koloraturen, recht schlicht ausgestaltet.

Ganz im Sinne der Tradition bleibt es der Solistin überlassen, geschmackvolle „Abbellamenti“ (Verschönerungen) dort improvisatorisch anzubringen, wo der Komponist nur große Notenwerte notiert hat.

 

Silvester Ianniello, Komponist / Dirigent