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Wie es zu dieser
Idee kam:
Als mir vor zwei Jahren die schweizer
Ethnologin Verena Regehr zwei Bände mit Rekonstruktionen verschollen
gewesener Kompositionen des Jesuitenmönches und Komponisten Domenico Zipoli
(1688-1726) mit den Worten: „Nimm du die Noten, du bist Musiker, was soll
ich hier im Chaco damit anfangen...“ in die Hand drückte, hatte ich noch
nicht die geringste Ahnung davon, dass ich heute die Gründung eines neuen
Orchesters damit verbinden würde.
Ursprünglich war unser damaliger Gedanke,
in Paraguay zu bleiben, Guarani- Siedlungen aufzusuchen (des Volkes meiner
Frau) und dort Stimmen zu Chören zusammenzuschließen, mit welchen wir in
Europa Touren wollten, um Spenden zu sammeln.
Unsere "Vision" war es damals,
Schulungspersonal und Lernmittel durch gesammelte Gelder zu finanzieren,
wodurch indigenen Kindern und Jugendlichen eine solide und moderne Schul-
und Berufsausbildung ermöglicht werden sollte. Im Zuge dessen wollten wir in
dieser ursprünglichen Idee für künftige Generationen zu einer Annäherung
zwischen den seit etwa 1930 im Chaco angesiedelten Mennoniten und den
Indigenen Ureinwohnern beitragen...
Die Begünstigten:
Bei unseren diesjährigen
Benefizkonzerten soll nun Geld gesammelt werden, um den Lebensraum eines
indigenen Volkes zu sichern:
Es sind die
Totobiegosode, die eine Untergruppe des Ayoreovolkes bilden.
In den 80er Jahren war
Ihre Sozialstruktur durch freikirchliche Aktivitäten aus Nordamerika massiv
gefährdet worden.
Als die Laienprediger
ihren Dienst beendet glaubten, und eine indifferente Glaubensdoktrin
hinterließen, waren vor allem Jugendliche durch Alkoholismus und Anarchie
bedroht. Um ihre Sozialstruktur wieder aufzubauen, entschlossen sich ihre
führenden Ältesten, sich in ihren ehemaligen Lebensraum, den größtenteils
noch unberührten nördlichen Teil des paraguayischen Chaco, zurück zu ziehen.
Obwohl es sich um ein
Naturschutzgebiet handelt, welches eine Vielzahl an schutzbedürftigen
Pflanzen und Tieren beherbergt, führen hier Großgrundbesitzer, Spekulanten
und Viehzüchter großflächige Rodungen durch, wildern und bedrohen selbst das
Volk der Totobiegosode.
Die Schweizer Organisation
"Verein zur
Landforderung indigener Gemeinschaften", unter Vorsitz von Dr. Rolf
Scheibler und ihre deutsche Zweigstelle in Weil am Rhein, haben es sich
zusammen mit der paraguayischen Nichtregierungsorganisation "GAT" (Gente,
Ambiente y Territorio) zur Aufgabe gemacht, durch den Landkauf vom Staat
Paraguay einen Eigentümerschutz herzustellen, da viele Einwanderer auch
heute noch Indigene als minderwertig betrachten.
Die Spendeneinnahmen aus
den Konzerten können entweder unter folgender Bankverbindung an diesen
Verein weitergeleitet werden, oder fließen aus einem Teil unserer
Benefizkonzert- Einnahmen derselben Organisation zu:
"Verein zur
Unterstützung indianischer Landforderung im paraguayischen Chaco e.V."
(deutsche Sektion c/o Dr. Christian Landes, Präsident, Zwischen den Wegen 6,
709591 Eimeldingen.
Bankverbindung: Sparkasse Markgräferland
Weil/ Rhein
BLZ 68351865 Kto.:7-501968
Das Assemblea Guaranì
...ist eine Vereinigung von Individualisten und Idealisten.
Es besteht nicht nur aus ausübenden, musikalisch
hochqualifizierten Künstlern, sondern ist auch eine Interessengemeinschaft,
die sich durch gemeinsames Organisieren und Strukturieren für Bedürftige,
durch Benefizkonzerte, einsetzt.
Denn:
Die
Musik, als Schlüssel zum Herzen, eignet sich hervorragend dazu, Menschen, um
deren Lebensqualität es besser bestellt ist, für Notleidende im richtigen
Augenblick zu sensibilisieren.
Eine indigene Sopranistin im Ensemble:
Die Initiative, den
"Verein zur Landforderung indigener Stämme im Chaco Paraguay" aktiv zu
unterstützen, regte hauptsächlich unsere Sopranistin Yvoty an. Yvoty war als
kleines Mädchen des Volkes der Guarani von ihrer Mutter in einem
mennonitischen Sanatorium abgegeben worden. Bald darauf starb die Mutter an
Tuberkulose.
Das kleine Kind konnte
glücklicherweise von deutschsprachigen, mennonitischen Siedlern aufgenommen
und großgezogen werden.
Als Yvoty unter anderem
in Deutschland heranwuchs, entdeckte sie ihre Liebe zur Musik. Zunächst war
Klavier ihr Hauptinstrument, doch bald erkannte man ihre außergewöhnliche
Stimme. Zum Repertoire der Sopranistin gehört hauptsächlich das schwere
Wagner- Fach. Aber auch der Interpretation von Barock- und Klassik-
Komponisten widmet sie sich gerne.
Nach der Herkunft ihres
Volkes, der Vorfahren der heutigen Paraguayer, nämlich der "Guarani-
Indianer" und nach der in Paraguay sprichwörtlich gewordenen Musikalität
ihres "Stammes", unter welchem auch der Jesuit und Komponist Domenico Zipoli
wirkte, den "Guarani- Indianern", benennt sich das Stuttgarter Ensemble
heute "Assemblea Guaranì".
Domenico Zipoli
Mönch des Jesuiten-
Ordens und Komponist geistlicher Vokal und Instrumentalmusik, wurde 1688
geboren und starb in Cordoba, Argentinien, um 1726.
Vor seinem Eintritt in
den Jesuiten- Orden war er Organist an der "Chiesa del Gesù", in Rom.
Während seines Wirkens
als Jesuit bereiste er Südamerika, wo er schließlich in sogenannten
"Reduktionen", (Reservaten für die indigene Bevölkerung, zum Schutz vor
Menschenjägern der spanischen und portugiesischen Invasoren) als Pädagoge
und Komponist tätig war.
Einige seiner
Kompositionen aus jener Zeit wurden teilweise erst 1972, während der
Restaurationsarbeiten an der Ruine der "Reducciones de Chiquitos", im
bolivianischen Urwald wiederentdeckt.
Anders als die
Orgelwerke, welch aus Zipoli's Europäischer Schaffenszeit in Fachkreisen
auch heute noch bekannt sind, blieben seine Vokalwerke aus seiner
südamerikanischen Schaffenszeit, trotz ihrer Entdeckung durch den
Architekten Hans Roth, und ihre Veröffentlichung durch den Jesuiten- Orden
zu Nürnberg, weitgehend unbekannt.
In der 2- Bändigen
Ausgabe jener Veröffentlichungen befinden sich diverse liturgische Gesänge:
Das "Beatus Vir", "Ave Maris Stella", Laudate Dominum, "Tantum Ergo", "Ad
Mariam", "Confitebor" und eine "Missa San Ignacio", welche den 2. Band
komplett beansprucht.*
*Werkausgabe in zwei Bänden durch die
"Edition des Missions- Prokur der jesuitischen Gemeinschaft, Nürnberg"
Das Werk
"Beatus Vir", das in
meiner Bearbeitung am 2. Advent, den 5.12.2004 im „Evangelischen
Michaelshaus, Stuttgart- Freiberg“ uraufgeführt wurde, war über mehrere
Jahrhunderte verschollen gewesen und soll erst Anfang der 70er Jahre in
einer Truhe neben einem „Plumpsklo“ im südamerikanischen Busch, zusammen mit
anderen Überresten von Werken geistlicher Komponisten aus der Epoche
jesuitischer "Reduktions- Siedlungen" für Guaranì- Völker gefunden worden
sein.
Was rekonstruiert werden
konnte, wurde zusammengestellt. Ob allerdings wirklich alle Teile des
„Beatus Vir“ ursprünglich zu Zipolis Werk gehörten, ist ungewiss! Zu viele
Schreibgehilfen, Nach- und Umschreibungen sorgten in früheren Zeiten dafür,
dass heute wenig Hinweise auf die ursprünglichen Autoren der verschiedenen
Teile geblieben sind.
Zumindest jedoch ist das
Werk immerhin liturgisch komplett und kann als stilistisch weitgehend
einheitlich erkannt werden.
Da die Kunst des
Improvisierens in der modernen Musizierpraxis für Melodieinstrumente (auch
innerhalb der Kirchenmusik) weitgehend an Bedeutung verloren hat, hielt ich
es für angemessen eine ergänzende Bratschenstimme einzufügen, vor allem aber
die Continuo- Simme für Cello und Kontrabass auszugestalten und der Partitur
zu unterlegen.
Auch der Sopran-
Solopart ist bis auf die üblichen Sequenzen, einige Durchgangsnoten, gängige
Vorhalte und obligatorische Koloraturen, recht schlicht ausgestaltet.
Ganz im Sinne der
Tradition bleibt es der Solistin überlassen, geschmackvolle „Abbellamenti“
(Verschönerungen) dort improvisatorisch anzubringen, wo der Komponist nur
große Notenwerte notiert hat.
Silvester Ianniello,
Komponist / Dirigent
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